Landsmannschaft Vitebergia Halle (Saale) im Coburger Convent

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Interkorporative Ortlerbesteigung

Julius von Payer starb am 29. August 1915. Der 100. Todestag des begnadeten Bergsteigers, Polarforschers und Malers war für uns ein willkommener Anlass seinen Berg, „König Ortler“ (Reinhold Messner), zu besteigen.

Mittwoch, 19.08.15. Wir, Dr. Mario Protzmann (55, L! Darmstadtia Gießen), Lukas Protzmann (23, L! Hansea auf dem Wels München) und Jakob Garbe (25, L! Vitebergia Halle), brechen schwer bepackt mit Steigeisen, Pickeln und allerlei Sicherungstechnik nach Südtirol auf, um den Ortler zu besteigen. Als Basislager dient dabei die Payerhütte (3020m), die über Sulden und die Tabarettahütte (2556m) in etwa 3 Stunden erreicht wird.

Der Ortler ist mit seinen 3905m der höchste Berg Südtirols und liegt als namensgebender Berg der Ortler-Gruppe in den südlichen Ostalpen. Die Erstbesteigung, die als eine der bedeutendsten alpinistischen Ereignisse der damaligen Zeit gilt, erfolgte 1804 unter der Leitung von Josef Pichler. Heute gilt der Ortler unter Bergsteigern als eines der bedeutendsten Gipfelziele der Ostalpen.

Donnerstag, 20.08.15, 4:30. Der Wecker versagt seinen Dienst.

Donnerstag, 20.08.15, 4:50. Die Hüttenwirtin weckt uns und erkundigt sich nach unseren Plänen nach wie vor den Ortler zu besteigen. Hastig wird das Frühstück eingenommen, während sich draußen der Himmel von schwarz zu violett verfärbt und sich die anderen beiden Seilschaften bereits auf den Weg machen. In dichtem Nebel beginnen wir den Aufstieg entlang des Normalwegs, der mit einer Schwierigkeit von III+ zu den alpinistisch anspruchsvollen Hochtouren zählt. Es erwarten uns ein langer ausgesetzter Grat gefolgt von einem zunächst steilen spaltendurchsetzten, später auf dem Hochplateau angenehmeren Gletscheranstieg. Bevor die ersten Kletterpassagen des Grates erreicht sind, folgt jedoch die nächste Panne: Wir finden den mit olivgrüner Farbe auf dunklem Fels markierten Weg im dichten Nebel nicht. In der Folge besteigt unsere Seilschaft leider den falschen Gipfel. Auf der Tabarettaspitze endet der Anstieg abrupt. Mit über einer Stunde Verspätung finden wir schließlich den richtigen Weg.

Die Payerhütte benannt nach Julius Payer, einem Offizier, Kartographen und Polarforscher im Dienste der k. u. k. Monarchie, liegt malerisch unterhalb der Tabarettaspitze (3128m) und wurde bereits 1875 von der Sektion Prag des österreichischen und deutschen Alpenvereins erbaut. Payer war Erstbesteiger von über 30 Gipfel der Ortlergruppe und wurde für seine Verdienste um die Erschließung der Gegend 1876 in den Aldelsstand erhoben. Die Benennung der Payerhütte auf Vorschlag von Johann Stüdl erfolgte noch zu Lebzeiten.

Donnerstag, 20.08.15, 11:30. Nach Passage vieler Spalten und einer bis 70° steilen Eiswand des Ortlerferners erreichen wir das Hochplateau und können bei Durchsteigen der Wolkendecke erstmals das Gipfelkreuz in der Ferne erblicken. Uns entgegen kommen die vorausgegangenen Seilschaften, sodass wir nun das Hochplateau für uns alleine haben. Die unberührte Eis- und Schneelandschaft, der stahlblaue Himmel und der Ausblick über das Wolkenmeer sind atemberaubend. Die durch unsere Wegfindungsstörungen fortgeschrittene Uhrzeit nötig uns nun zügig den Gipfel zu erreichen. Konzentriert marschieren wir für fast anderthalb Stunden wortlos dem Gipfel entgegen.

Am Gipfel des Ortler waren bis zu 30 k. u. k. Soldaten in der höchsten Stellung des ersten Weltkrieg im Einsatz. In das Eis gesprengte Stollen unterhalb des Gipfels dienten als Unterstand und versorgten ständig besetzte Schützengräben und MG-Stellungen. Zu nennenswerten Kämpfen um den Gipfel kam es jedoch nie, sodass Verluste hauptsächlich durch Lawinen zu verzeichnen waren. Als die Stellungen 1918 verlassen wurden blieb viel Ausrüstung, inklusive mehrerer unter großem Aufwand auf den Gipfel geschaffter Geschütze, zurück, die nun tief im Gletschereis versunken sind.

Donnerstag, 20.8.15, 12:50. Der Gipfel ist geschafft! Pickel und Steigeisen stecken fest im höchsten Punkt des Ortlergipfels. Atemberaubende Freiheit umgibt uns. Nach Norden fällt 1200m die Nordwand ab und verschwindet im Nebel. Nach Süden erstreckt sich der weite Ortlerferner. Nahezu unberührt wird er nur von unserer Spur durchzogen. Aus der Wolkendecke ragt ringsum kein Gipfel. Lukas packt die Gipfelwurst aus, die wir uns redlich verdient haben.

Donnerstag, 20.08.15, 16:00. Nachdem wir ohne nennenswerte Zwischenfälle den Ortlerferner beim Abstieg hinter uns gelassen haben, erschwert Schneeregen das Weiterkommen über den Grat. Kalte Nässe und Wind zwingt zu besonderer Konzentration bei den Kletterpassagen entlang des Grates. Unterhalb der Wolkendecke ist die Sicht gut, sodass wir die luftigen Tiefen zu beiden Seiten des Grates erst richtig wahrnehmen. Trotz allem erreichen wir gegen 18 Uhr, nach über 12-stündiger Tour, nass, erschöpft und glücklich die wieder Payerhütte.

Die gemeinsame Grenzerfahrung hat uns vor Augen geführt, was man im Alltag zu leicht aus den Augen verliert: Das tiefe gegenseitige Vertrauen und die bedingungslose Freundschaft sind nicht nur am Berg unerlässlich, sondern auch elementarer Bestandteil des bundesbrüderlichen Versprechens.

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